Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e.V.
54492 Zeltingen-Rachtig

- Andere König-Orgeln -

Die rekonstruierte König-Orgel der Kempener Paterskirche

(von Axel Wilberg, A1996)

 

Der rheinische Orgelbau ist seit Jahren eine Randerscheinung der Orgelszene. Das mag daran liegen, daß die Wiederentdeckung barocker Instrument. an ganz anderer Stelle, nämlich in Hamburg begann, vielleicht auch an politischen oder geografischen Randbedingungen oder schlichtweg an der Tatsache5 daß das Rheinland keinen bedeutenden Komponisten von Orgelmusik hervorgebracht hat, dessen Werke auf rheinische Instrumente zugeschnitten sind. Durch diese unglücklichen Umstände sind etliche bedeutende Instrumente noch bedenkenlos vernichtet worden, als andererorts die Bemühungen um den Erhalt alter Orgeln schon im vollen Gange waren. So ist die König-Orgel der Düsseldorfer Maxkirche ebenso verloren gegangen wie die Orgel der ehemaligen Kempener Franziskanerkirche, die fast unverändert erhalten noch 1925 durch einen minderwertigen Neubau ersetzt wurde. Übrig blieb nur das alte Gehäuse.

Die Orgel wurde 1752 im Zuge einer - vermutlich durch Kurfürst Clemens August veranlassten Generalrenovierung der Klosteranlage durch Christian Ludwig König (* 5.5.1717 in Münstereifel, + 15.4.1789 in Köln) erbaut Die Kirche wurde nach der Aufhebung des Klosters 1802 als Rektorats- und Gymnasialkirche genutzt. Ein Inventarverzeichnis von 1839 gibt die originale Disposition der Orgel wieder, nennt die Erbauerfirma König, und bescheinigt den guten Zustand des Instruments. Der einzige Umbau erfolgte 1846 Die Orgel wurde auf der Empore zurückversetzt, um Platz für den Chor zu gewinnen gleichzeitig wurde die Disposition dem romantischen Zeitgeschmack entsprechend verändert. 1917 wurde der Zinnprospekt zu Kriegszwecken abgeliefert. Obwohl die Kirche seit 1979 als Museum genutzt wird und die Orgel nur zu Konzertzwecken genutzt wird, entschloß man sich 1993 anlässlich einer Orgelstudienfahrt der VHS in die Eifel dazu, einen Förderverein zu gründen, der es sich zum Ziel setzte, die unbrauchbar gewordene Orgel von 1925 durch ein Werk im Sinne Königs zu ersetzen. Spuren im Gehäuse und alte Unterlagen aus der Orgelakte ließen recht genaue Rückschlüsse auf die Orgel von 1752 zu, so daß unter Leitung der Orgelsachverständigen, Frau Ute Gremmel-Geuchen, ein Baukonzept in enger Anlehnung an König entwickelt werden konnte, im Frühjahr 2000 konnte schließlich die rekonstruierte Orgel eingeweiht werden

Das Gehäuse wurde an seinen alten Platz versetzt, fehlende Schnitzereien wurden ergänzt. Die endgültige Farbfassung wird noch in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt erstellt. Die Orgel erhielt neben dem Originalbestand zusätzlich vier selbstständige Pedalregister, die es ermöglichen, auch Werke des nord- und mitteldeutschen Barock - darunter die Musik J. 5. Sechs - darzustellen. Die Windversorgung kann wahlweise über einen elektrischen Ventilator wie auch per Handbetrieb erfolgen. Bei sämtlichen Arbeiten, die durch die Firma Verschueren (Heythuysen/NL) ausgeführt wurden, hat man Wert darauf gelegt, keine Materialien oder Verarbeitungstechniken zu verwenden, die nicht schon 1752 bekannt waren. Das neue Werk ist im Klangaufbau der König-Orgel in Schleiden sehr ähnlich und eine schöne, längst fällige Hommage an den genialen Münstereifeler Orgelbauer, der einen Vergleich mit seinen berühmten Kollegen Silbermann und Schnitger nicht scheuen muß.

 

Disposition:

 
   

I. Unterwerk (C-dS):

II. Hauptwerk (C-d3):

Baurdon 8'

Bourdun 16' B/D

Prinzipal 4'

Praestant 8'

Flaut trawersiere 8' D

Hollpfeiff 8'

Ouintadena 8'

Voil di Gamba 8'

Flaut douce 4'

Octav 4'

Octav 2'

Flaut 4'

Tintinabulum 2 fach

Ouint3'

Ouint l 1/2'

Superoctav 2'

Mixtur 3 fach

Gornett 3 fach D

Crumhorn 8'

Terz 1 3/5'

Vox humana 8'

Mixtur 4 fach

 

Clairon 4' B

 

Trompett 8'

   

Pedal (C-d1):

 

Subbass 16'

 

Octav 8'

 

Posaune 16'

 

Trompett 8'

 
   

Tremulant, UW an HW, NW an P

 

Stimmung: Kellner-Bach bei a1=463 Hz

 

 

 

 

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Datum der letzten Überarbeitung: 12.11.2000