Neue Orgel in historischem
Gewand
"Erste Rachtiger Orgeltage"
veranstaltet vom Orgel-Förderverein
der Moselgemeinde
EIN BILDBERICHT VON CHRISTEL KREIN
Glitzernd schlängelt
sich die Mosel durch die frisch grünenden Weinberge, die
Sonne vertreibt die letzten Wolken aus dem Flußtal und ein
milder Wind trägt die fröhlichen Töne mehrerer
Drehorgeln durch die romantischen Gäßchen des kleinen
Winzerortes Rachtig.
Für
die Orgelrenovierung in St. Marien in Rachtig ist der Erlös
der Orgeltage bestimmt (großes Bild).
Die
Pfarrkirche St. Marien in dem sehr schön gelegenen Moselort
(rechts).
Unter
dem Motto ,,Musik und Wein - lassen den Streß des Alltags
vergessen" hatte der Orgel-Förderverein Sankt Marien
Rachtig e.V. vom 13. bis 16. Mai zu den ersten Rachtiger Orgeltagen
eingeladen. Ein abwechslungsreiches Programm, das neben Festgottesdienst,
Orgelkonzerten und Meditationen in der Pfarrkirche Sankt Marien
auch vielfältige Attraktionen rund um das Kelterhaus der
Eheleute Hans und Rosi Keller bot, lockte zahlreiche Besucher
aus Rachtig und den umliegenden Ortschaften an.
Fördervereinsvorsitzender Egon Kappes
weiß um die Renoviernngsbedürftigkeit der Orgel (rechts).
Insgesamt
vier Orgelkonzerte fanden in der Rachtiger Marienkirche statt;
Josef Thiesen, Karl Heinz Simon, Paul Kön und Theresia Thiesen,
alles Kirchenmusiker, die in Rachtig und den umliegenden Pfarrgemeinden
als Organisten tätig sind, gaben bei den gut besuchten Veranstaltungen
Kostproben ihres Könnens.
Orgelkonzert
mit Kirchenmusikerin Theresia Thiesen und einer Rachtiger Blockflötengruppe
(unten).
Auch
eine Gruppe junger Musiker der Kreismusikschule Bernkastel-Wittlich
und mehrere Blockflöten-Ensembles wirkten bei den Veranstaltungen
mit.
Die erste Orgel erhielt die Rachtiger Kirche
im Jahr 1739. Sie wurde der Pfarrei vom damaligen Pfarrer Johann
Peter Glesius, einem Deutschordenspriester, gestiftet. Über
den Orgelbau selbst sind zwar keine Unterlagen vorhanden, mit
großer Wahrscheinlichkeit stammt das Instrument aber von
dem in katholischen Kreisen sehr gefragten Münstereifeler
Orgelbauer Balthasar König, in dessen Werkliste der Ortsname
Rachtig an der Mosel auftaucht. Von diesem Instrument sind noch
das Gehäuse, der ganze Prospekt sowie der heutige Subbaß
16' erhalten. Nach dem Neubau des Kirchenschiffs (Grundsteinlegung
1906) erbaute die Trierer Orgelbaufirma Franzen unter Verwendung
der obengenannten Teile ein neues Instrument, das heute trotz
Reparaturen und kleineren Umbauten im wahrsten Sinne des Wortes
,,aus dem letzten Loch pfeift"'. Das Innenleben der Orgel ist
durch altersbedingte Abnutzung und Umwelteinflüsse so stark
in Mitleidenschaft gezogen, daß eine komplette Erneuerung
unumgänglich ist. Schon 1995 ergriffen einige Rachtiger Bürger,
unter ihnen der Kirchenmusiker Josef Thiesen und der einheimische
Orgelbauer Paul Kön sowie weitere in der Region tätige
Organisten die Initiative und gründeten einen Förderverein,
um die notwendigen Finanzmittel zu erschließen. Als Fachleute
erkannten sie, wie notwendig die Renovierung der äußerlich
sehr schön gestalteten Orgel ist. ,,Projekt 2000- neue Orgel
im historischen Gewand" ist das Ziel, das der Verein mit
viel Kreativität verfolgt.
Orgelkonzert
und verkaufte alte Orgelpfeifen zugunsten des Fördervereins
(oben).
,,Wir
möchten den Umbau und die Erweiterung der Orgel unter Wiederverwendung
brauchbarer Teile vorantreiben und damit die Kirchenmusik und
andere kulturelle Vorhaben in unserer Pfarrei und der Moselregion
fördern. Besonderen Wert legen wir auf die Zusammenarbeit
mit Vereinen, Gruppierungen, Winzerbetrieben und der örtlichen
Gastronomie. Die Orgeltage finden zum Beispiel im Rahmen der Veranstaltung
"Tage der offenen Weinkeller" statt. Dieses Angebot lockt zahlreiche
Weinfreunde von nah und fern in unseren Ort, wir profitieren von
dem großen Zulauf, bieten aber auch mit unseren Konzerten
und Veranstaltungen ansprechende Programmpunkte für Einheimische
und Touristen.
Für
den Benefiz-Flohmarkt der Orgeltage hatten Rachtiger Bürger
allerlei bereitgestellt.
"Jede
Mark für unsere Orgel bringt neue Töne in die Kirche",
betont Egon Kappes, der Vorsitzende des Vereins. Die Kosten für
die Renovierung des Instruments werden auf 500 000 Mark geschätzt.
Durch Mitgliederbeiträge, Spenden und aus dem Erlös
verschiedener Veranstaltungen kamen bisher 150 000 Mark auf das
Spendenkonto. Daß es dabei nicht nur um Geldspenden geht,
sondern immer wieder neue Ideen erforderlich sind, um die Notwendigkeit
der Maßnahme zu verdeutlichen und auch Kritiker zu überzeugen,
ist den Orgelförderern ein wichtiges Anliegen.
So lädt der Verein zu Fahrten ein,
bei denen Orgeln in Kirchen und Klöstern erkundet, Erläuterungen
zur Orgeltechnik und Kurzkonzerte präsentiert werden. Anläßlich
des Patronatsfestes der Pfarrei am 8. Dezember werden ,,weinkulturelle
Angebote" organisiert, die mit ihren musikalischen Darbietungen
und der Vorstellung des neuen Weinjahrgangs mittlerweile einen
festen Platz im Jahresprogramm haben. Auch der ,,Rachtiger Advent"
- eine erholsame Feierstunde in der Hektik der Vorweihnachtszeit
- findet immer wieder großen Zuspruch, genauso wie andere
Konzert- und Musikveranstaltungen.
,,Ein wichtiger Aspekt in unserer Vereinstätigkeit
ist die Einbindung der Dorfgemeinschaft. So wollen wir erreichen,
daß unser Anliegen von immer mehr Leuten mitgetragen und
gefördert wird", erläutert Egon Kappes die Zielsetzung.
Marionettenspielerin
Margarethe ließ zur Freude der Kinder die Puppen tanzen
Daß
die Rachtiger mit ihren Aktionen Mark für Mark der neuen
Orgel ein Stück näher kommen, dafür sorgten die
Orgeltage mit ihrem bunten Programm. Für vier Tage war das
nahe der Pfarrkirche gelegene Kelterhaus der Familie Keller Treffpunkt
für Gäste und Besucher. Kulinarische Köstlichkeiten
aus der Winzerküche lockten genauso wie der eigens abgefüllte
Orgelwein. In der Hofeinfahrt wurde ein Flohmarkt präsentiert,
bestückt mit allerlei Kuriositäten aus vergangenen Tagen,
die die Rachtiger Bürger auf Speichern und in Kellern ausgekramt
hatten. Und wie es sich für einen richtigen Trödelstand
gehört, gab es Drehorgelmusik und Marionettentheater und
jede Menge fröhliche Jahrmarktstimmung rund um den Kirchturm.
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