Die Hüchelhovener Orgel ist der Gemeinde durch viele glückliche Umstände erhalten geblieben. Heute steht sie unter Denkmalschutz, da es nur noch wenige so gut erhaltene Königorgeln gibt.
1766 wurde sie entweder durch Christian Ludwig König oder dessen jüngeren Bruder Johann Nikolaus erbaut. Dies ist unter anderem an der Inschrift an den Konsolen des Gehäuses erkennbar: PER D.(ominum) ,`F.(ilium) I.H.(esum) C.(firistum) - ANNO 1766. Bis zur Säkularisation stand die Orgel in der Klosterkirche der Franziskaner-Tertiarinnen, St. Ignatius, in der Kölner Stolkgasse, nahe dem Dom.
Anfang des 19. Jahrhunderts formulierten die Hüchelhovener ihren Wunsch nach einigen Gegenständen für ihre Kirche. Der damalige Hüchelhovener Pfarrer Sigismund Cüster bittet im September/Oktober 1803 in einem an den Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet gerichteten Brief um einige Ausstattungsgegenstände aus aufgehobenen Stifts- und Klosterkirchen.
"Eurer Hoch Würdn. mag´s wohl nicht unbekannt seyn, daß die pfarrkirch Hüchelhovens eine neu erbaute pfarrkirch seye - auch daß dieselbe inner wenigen Jahren, zweimal bestohlen worden.
Woher es denn kömmt, daß zur anschaffung aller nötigen requisiten diese Kirch unvermögend.Dieser Kirch fehlen
1. zwey Seiten altärcher
2. zwey Beichtstühle
3. ein predigtstuhl
4. ein örgelchen.So bittet pfarrer zu Hüchelhofen unthgst. auf seine Kirch einen gnädi gen Blick werfen - und dieselbe mit obben. höchstnötigen Stücken zu versehen, worzu allenfalls der bei den Regulärherren in Aachen hingestürzte predigtstuhl und das kleine örgelchen aus St. Ignatius Kirche in der Stolzgaße zu Kölln dienen dürften...."
Der Bischof leitet das Gesuch an die zuständige Präfektur weiter und
im Auftrag des Präfekten untersucht der oben schon erwähnte Adolph
Daniel König den Zustand der Orgel. Er gibt am 7. November 1803 eine Stellungnahme
ab, aus der hervorgeht, daß die Orgel zehn Register, einen Manualumfang
von vier Oktaven und zwei Blasebälge aufweist. Der Verkaufspreis wird auf
150 Franken geschätzt. Am 21. November 1803 ordnet der Präfekt die
Bedingungen für die Übernahme an. Kanzel und Orgel werden unentgeltlich
überlassen, die Kirchengemeinde muß Adolph Daniel König lediglich
die Gebühren für die Untersuchung und die Abschätzung der Orgel
erstatten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts lassen sich mehrere Reperaturen und Umbauten an der Orgel nachweisen. In einem Schreiben des Hüchelhovener Pfarrers vom 12. April 1839 heißt es:
,,Im Auftrag des hiesigen Kirchenraths habe ich die Ehre Einem Hochwürdigen Erzbischöflichen General Vikirate, ein vom Kirchenrath unterm 7ten d. aufgenommenen Protokoll in Betreff der Reperatur unserer Kirchenorgel ... unterthänigst einzureichen ..."Schon 1844 erfährt die Orgel die nächste Instandsetzung. Arn 3. Dezember 1843 beschließt der Kirchenvorstand die anstehenden Arbeiten ausführen zu lassen, wozu der Orgelbauer Maaß accordiert werden soll und dazu sind angesetzt 45 Thaler, jener Orgelbauer also, der die König-Werkstatt auf der Breite Straße übernommen hatte. Nach Maaß' Tod im Jahre 1850 erhält der Grevenbroicher Orgelbauer Hermann Joseph Köpp (1822-1904) den Auftrag für die Pflege der Orgel. Er nimmt in den Jahren 1864 bis 1866 größere Reparaturen an der Orgel vor. Als zwischen 1870 und 1874 umfangreiche Baumaßnahmen an der Kirche stattfinden, wird die Orgel sogar zwischenzeitlich komplett abgebaut und später wieder neu errichtet.
Ende der achtziger Jahre wäre die Orgel dann fast abgebrochen worden, als der Kirchenvorstand beschließt, ein neues Instrument zu kaufen. Die erforderlichen Mittel für eine Neuanschaffung werden allerdings nicht aufgebracht und die Orgel bleibt der Gemeinde erhalten, 1913 erhält die Orgel ein elektrisches Gebläse, so daß der Organist nicht bei jedem Spiel auf fremde Hilfe angewiesen ist, um den Blasebalg zu betätigen. Diesen Einbau übernimmt Josef Köpp (1865-1937), Sohn Hermann Köpps und ebenfalls in Grevenbroich tätig. Wie bei vielen anderen Orgeln auch müssen die Zinnpfeifen 1917 Rüstungszwecken weichen. Erst 1929 werden die fehlenden durch passende aus Zink erneuert. Josef Köpp, der diese Arbeit erneut ausführt, beseitigt bei dieser Gelegenheit die um einen halben Ton höhere Stimmung des Instrumentes, indem er zu jedem Register eine neue tiefste Pfeife anfertigt. Nach dem Krieg führt Robert Stahl aus Essen 1947 eine weitere Instandsetzung durch, aber 1955 wird die Orgel wiederum als ,,altersschwach" bezeichnet. 1960 versagt sie ganz ihren Dienst.
Der Orgelbaufirma Johannes Klais
aus Bonn ist es zu verdanken, daß die Orgel möglichst wieder in ihren
Orginalzustand versetzt wird. Durch die 1962 durchgeführten Umbauarbeiten
werden die für eine Barockorgel stilwidrigen Ergänzungen aus späterer
Zeit beseitigt. Die Klang- und Baugestalt wird durch Vergleiche mit anderen
Orgelwerken des 18. Jahrhunderts und durch Befunde am Instrument selber weitestgehend
wiederhergestellt. Die Orgel weist fast wieder die ursprüngliche Disposition
auf, lediglich auf ein Pedal will man nicht verzichten, um der Orgel eine größere
Praktikabilitat zu verleihen. Außerdem wird die Orgel wieder als Brüstungswerk
aufgestellt, nachdem sie zwischenzeitlich an der Turmwand gestanden hatte. Die
neuen Pedalpfeifen stehen von unten nicht sichtbar hinter der Orgel, um das
Prospektbild nicht zu zerstören. Schließlich wird auch wieder die
alte Stimmung rekonstuiert.
DispositionManual C-c''', Schleifenteilung (Bass/Diskant) bei c'/cis'
Principal 4'
Hohlflöte 8' Bass/Diskant
Flaut travers 8' Diskant
Flöte 4'
Oktave 2'
Guinte 1 1/3'
Sesquialter 2fach
Mixtur 3fach
Cymbel 2fach
Trompete 8' Bass/Diskant
Vox humana 8'
Clairon 4' BassPedal C-c'
Subbass 16'
Tonhöhe 1/2 über normal